Kyocera: Neue Produktionsanlagen für 5G und IoT-Halbleiterkomponenten gegen den weltweiten Mangel

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Kyocera, japanischer Technologieproduzent u.a. von smarten Energiesystemen, hat angekündigt, zwei neue Produktionsanlagen für 5G und IoT-Halbleiterkomponenten bauen zu wollen. Die beiden Fertigungsstätten auf dem Kokubu Campus in Kagoshima, sollen als Antwort auf den weltweit steigenden Bedarf an Chiptechnik dienen.

Halbleitermangel durch Missmanagement

Seit Jahren steigt der Bedarf an Halbleitern in der gesamten Wirtschaft. Ob in der Automobilindustrie, IT-Industrie, Unterhaltungselektronik, Medizintechnik oder bei den erneuerbaren Energien, überall werden immer mehr Mikrochips verbaut. Die wenigsten Einbauer machen sich dabei jedoch wenig Gedanken darüber, wo die enorme Masse an Komponenten für diesen Anstieg herkommen soll. Jeder setzt auf einen vermeintlich stetigen Nachschub zu seinen Produktionsbedingungen. Kaum jemand verbindet dabei die eigenen gestiegen Automatisierungsansprüche mit den dafür nötigen Logistik- und Einkaufsstrategien.

Hinzu kommt, dass Angebot und Nachfrage jahrelang ständig schwankten. Mal gab es zu wenig Lieferungen, beispielsweise als mehrere Halbleiterfabriken in den USA ausfielen. Oder als in Japan eine Fabrik in diesem Sektor brannte. Aber es gab auch Überkapazitäten, bei denen insbesondere die Fahrzeugbauer gerne mal kurzfristig Aufträge stornierte. Die Chipproduzenten stellten sich ebenso schnell auf diese sinkende Nachfrage ein und produzierten weniger als zuvor, obwohl der Markttrend für die kommenden Jahre schon früh in genau die entgegengesetzte Richtung wies.

Halbleiterkrise durch Corona

Wenn dann wie in der Coronakrise, die globalen just in time Lieferketten massiv unter Druck gerieten und kurzfristig sogar ganz unterbrochen wurden, wollte plötzlich niemand verstehen, warum sich dadurch eng getaktete Produktionsabläufe stark verzögerten oder gänzlich ausgesetzt werden mussten. Erschwerend hinzu kam, dass viele Firmen in dem unerwarteten Ausnahmezustand freiwillig oder gezwungen, bisher offline praktizierte Tätigkeiten, wo immer möglich, in den Onlinebereich verlegten. Das erhöhte natürlich auch hier nochmals das Interesse an Mikroelektronik auf einem ohnehin schon stark überdehnten Markt.

Halbleiternachfrage durch 5G und IoT-Wachstum

Die seit Jahren anhaltende Expansion des 5G und IoT-Marktes trägt ebenfalls ihren Teil zu einem wachsenden Bedürfnis nach Halbleitern bei. Mit den prognostizierten fünfzig bis 100 Milliarden IoT-fähigen Geräten in den nächsten fünf Jahren und einem steigenden Grad der wechselseitigen Vernetzung wird sich dieser Zustand wohl noch verschärfen. Denn sie alle sind für ihre Sensoren, RFID Chips etc. auf diese Leiter angewiesen.

Der schon heute weltweit geschätzt 555 Milliarden Dollar schwere 5G-Markt hat dabei sein Potential, den Analysten zufolge noch lange nicht ausgeschöpft. Die deutsche Telekom z.B. will allein im deutschen Markt, mit seinem prognostizierten Volumen von 63 Milliarden Euro bis 2025, nahezu 100 Prozent aller Deutschen mit 5G versorgen und Deutschlands Fläche bis zu 90 Prozent abdecken. Die simultane Entwicklung hin zum weiteren Ausbau von Maschine-zu Machine (M2M) Echtzeitkommunikation und der künstlichen Intelligenz verdeutlicht das zu erwartende Verlangen nach Halbleitern.

Kyocera: Lieferant nachgefragter Teilkompenenten

Kyocera reagiert auf diese Entwicklung mit dem für November 2021 geplanten Bau von zwei Fabriken für die in diesem Zusammenhang stark nachgefragten Feinkeramik-Komponenten, die essentiell für dieser Technologie sind. Als frühestmöglichen Beginn der Produktionsphase für die erste Anlage ist der 1. Oktober 2022 anberaumt. Die zweite soll im Oktober 2023 ihren Dienst aufnehmen. Der bereits bestehende Halbleiterengpass wird sich also in absehbarer Zeit von dieser Seite her nicht wirklich beheben lassen.

Über den Autor

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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