Swegreens: KI-Landwirtschaft in der Stadt

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Swegreens, ein schwedischer Entwickler für urbane vertikale Farmen will den Anbau von Lebensmitteln zu einer buchbaren Dienstleistung machen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT) sollen diese Prozesse auch aus der Ferne steuerbar sein. Das Unternehmen ist der Nachfolger des 2019 in Konkurs gegangenen Plantagon, eines damals führenden Pioniers in diesem Bereich.

Konventionelle Landwirtschaft verliert an Glanz

Im Zuge sinkender Erträge in landwirtschaftlichen Produktionsprozessen weltweit, wächst die Nachfrage nach Alternativen zur konventionellen Bewirtschaftung auf biochemischer Pestizidbasis. Zudem sind die damit verbundenen Folgeschäden für Umwelt, Tiere und menschliche Konsumenten mittlerweile zu offensichtlich, als dass sie weiter ignoriert werden könnten. Die zahlreichen Prozesse gegen namhafte Saatgut- und Düngemittelhersteller belegen das. Daher entfalten sich auch im Zuge der Klimawandeldebatte zusehends Methoden, die sich anderer Hilfsmittel beim Anbau bedienen wollen.

KI-Landwirtschaft: kostengünstiger und umweltverträglicher:

So ist dann auch zu erklären, dass künstliche Intelligenz (KI) vermehrt Eingang in diesen Wirtschaftsbereich findet. Günstig zu erwerbende Sensoren werden dabei vieltausendfach in Böden verbracht, wo sie den tatsächlichen Nährstoffbedarf der Kulturpflanzen analysieren. Die dabei in Echtzeit gewonnenen Informationen werden anschließend an Internet der Dinge (IoT)-Clouds übermittelt. Von dort aus gelangen sie zu Analysestationen, die die dabei ausgewerteten Daten an vielfältige Endgeräte ausspielen können. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass so weder weiter Wasser noch Pestizide über unrentablen Stellen nach dem Gießkannenprinzip ausgebracht und so zum Schaden aller verschwendet werden müssen.

Urbanisierungstrend überfordert herkömmliche Landwirtschaft

Eine weitere Entwicklung, die aktuell Einfluss auf die Nahrungsmittelproduktion ausübt, ist der Trend zur verstärkten Urbanisierung. Immer mehr Menschen verlassen ländliche Regionen, um in die Städte zu ziehen, weil dort die Infrastruktur oft deutlich besser ausgebaut ist. Mehr Arbeitsmöglichkeiten und kulturelle Angebote, sowie kurze Wege zu fast allem, sind hierfür oft die ausschlaggebenden Gründe. Doch mit dem verstärkten Zuzug von außen gerät auch zunehmend das ohnehin schon recht angespannte Verhältnis zwischen landwirtschaftlicher Produktion und städtischem Konsum immer mehr unter Druck. Viele Menschen auf abnehmendem Raum wollen mit immer mehr und am besten hochwertigen Lebensmitteln versorgt werden und das jederzeit

Vertikale Farmen gegen städtischen Hunger?

Eine Antwort auf diese Probleme glauben einige in dem Konzept der vertikalen Farmen gefunden zu haben. Hier werden seit einigen Jahren recht erfolgreich Anbausysteme getestet, die in Städten, oft innerhalb von Gebäuden eingerichtet werden. Der Gedanke dahinter ist, dass man meist viel besser direkt vor Ort einschätzen kann, was wann und von wem gebraucht wird, um es rechtzeitig zu pflanzen und in kürzester Zeit ernten zu können. Zwar orderten in den zahlreichen Testphasen meist nur die Luxusgastronomie diese neue Form der Frischnahrung, wenn sie diese nicht sogar selbst anbauten. Aber rein rechnerisch ist das Potential zur Versorgung größerer Menschengruppen durchaus vorhanden.

Umweltschutz durch innerstädtischen Anbau

Diese Technologie behält bei aller Innovation aber auch den ökologischen Gedanken im Blick. Statt weiter Transportwege und sei es nur aus den umliegenden Dörfern zu nutzen, will man hier lieber gleich selbst vor Ort das benötigte Gemüse selbst ziehen. Zudem konnte bewiesen werden, dass die übereinander gestapelten Kulturen oft einer mehrfachen Nutzung zeitgleich zugeführt werden können. So wurden schon Kombinationen aus Fisch- und Gemüsefarmen vorgestellt, in denen der abgegebene Kot der Tiere gleichzeitig als Düngemittel und ihr Atem zur Deckung des Co2-Bedarfs der Pflanzenkulturen erfolgreich eingesetzt wurde. Auch falls die Horrorszenarien des Klimawandels so wie prognostiziert eintreten sollten, wäre diese Form der Nahrungsmittelgewinnung ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Werden zukünftig wirklich große Teile der Erde unbewohnbar und nicht weiter bestellbar sein, könnten innerstädtische Agrarflächen auf, in oder unter Häusern vielleicht irgendwann die Lebensmittelversorgung ganzer Bevölkerungen sichern.

Swegreens: Alte Idee in neuem Format

Swegreens kennt sich seit Jahren mit der gesamten Thematik gut aus. Hervorgegangen aus dem vor zwei Jahren in den Konkurs gegangenen namhaften Vorgänger Plantagon, hat man aus seinen Fehlern gelernt und möchte nun vieles besser machen. Statt wie bisher nur Technologien zur Entwicklung des vertikalen Farmmarktes zu entwickeln, plant man nun den gesamten Prozess zu vermieten. Ehemalige Mitglieder und Geldgeber der alten Firma glauben fest an das Potential dieses Geschäftsmodells. Denn mittlerweile ist man in der Lage, alles aus einer Hand anbieten zu können.

Autonome Produktion in Supermärkten und Restaurants

Geplant ist es, Supermärkten und Restaurants den eigenständigen Anbau und die Ernte von frischen Gemüse zu ermöglichen. Dazu werden Plattformen eingerichtet, die in der Lage sind, natürliche landwirtschaftliche Strukturen in Innenräumen so zu similieren, dass in ihnen Gemüse angebaut werden kann. Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge-Anwendungen übernehmen hierbei die Überwachung und Kontrolle der Nährstoffzufuhr, Temperaturverhältnisse und des Allgemeinklimas. Automatisierte Aufzüge und Roboterarme kümmern sich anschließend um die Ernte. Swegreens kann bei diesem Prozess die gesamte Entwicklung vom Samen bis zur fertigen Pflanze abdecken und bietet dies als Dienstleistung interessierten Unternehmen an.

Über den Autor

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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